Zu Form,

Eine Form kann sich auf ein aktuelles Gesamtgefüge beziehen und ist damit Teil davon. Sie ist flexibel und lebendig. Erlebt wird sie durch die individuelle Innen- und Außenwahrnehmung eines Subjekts. Eine Form bewegt sich im Spannungsfeld zwischen innerlich gewachsener Realität und äußerlich empfundener Welt. Im Moment ist es Anreiz und Herausforderung, die Form in ihrer Charakteristik und Beschaffenheit zu erfassen, indem man versucht, sich in ihr zu verorten, sie zu erweitern oder sich von ihr zu distanzieren. Eine Form zu erschaffen, bedeutet, ein aktives Netzwerk aus Unterschieden und Gegensätzen zu weben. Sie als lebendig zu begreifen und zu teilen. (Text: Zwaantje Beer)

kam Fem.

Wo das Netz beginnt, ist nicht entscheidend, sondern dass es sich weiter fortsetzt. Ein feministisches Netzwerk kann die normierten Vorstellungen und Repräsentationen auf dem Kunstmarkt und im Museum brechen. Feministisch heißt nicht Nischenkunst, sondern ist mit dem politischen Anspruch und der Praxis verbunden, diese übergeordnete Kategorie aufzulösen. Nicht durch einzelne Positionen, die eine Ausnahme im Mainstream darstellen, sondern durch das Sichtbarmachen der vielen künstlerischen Stimmen, die da sind und waren. Jedoch bislang nicht gesehen und verdrängt wurden. Dafür ist es notwendig, den Blick für künstlerische Arbeiten offen zu halten, die nicht bereits kanonisiert, kommerzialisiert und etabliert sind. Fem bedeutet nicht weiblich, es lehnt sich nur an femme [französisch für Frau] an und geht darüber hinaus. Es kann weiblich meinen, muss es aber nicht. Es bleibt ein Spiel mit der Uneindeutigkeit, mit dem Zwischenraum. Wir können unsere Identität gestalten wie unser Haar und mit unserer Stimme, unserer Kleidung, unserem Wort, unserem Protest und dem was dahinter verborgen liegt zum Ausdruck bringen. Kunst und Leben gehen ineinander über und dies gilt nicht nur an den künstlerischen Akademien. Der Alltag gehört zur intellektuellen und künstlerischen Arbeit. Den Alltag vom geistigen Prozess zu trennen, bedeutet, die patriarchalen Vorstellungen von Arbeit fortzusetzen.
(Text: Hannah Güse)